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RG-Konferenz 2016

RG-Konferenz 2016

 

Presseecho auf das 30-jährige Bestehen der IGSL

 AZ - Bingen vom 16.06.2016  und 20.06.2016

 Festrede zum Jubiläum

 

 

 

 

Leitlinien zum Tumorschmerz

Leitlinien stellen eine Übereinkunft dar, die die bestmögliche Behandlung der Patienten nach dem aktuellen Wissen umfasst. Leitlinien sind wichtig für die Versorgung von Patienten mit Tumorschmerz, weil sie allen Behandlern, insbesondere auch Ärzten, einen aktualisierten „Behandlungskorridor“ vorgeben, von dem man allerdings im Einzelfall begründet abweichen kann. Leitlinien sind in der Versorgung auch unter ökonomischen und juristischen Bedingungen wirksam.

 

Seit mehreren Jahren werden viele medizinische Handlungen über Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft medizinisch wissenschaftlicher Fachgesellschaften begleitet. Diese AWMF-Leitlinien haben sich kontinuierlich entwickelt, aus dem Blickwinkel der Versorger war jedoch die Praxisferne mancher Empfehlungen beklagenswert. Daher hat die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. sich vor 4 Jahren entschlossen, eigene „Praxisleitlinien“, die von den Versorgern selber erstellt werden, wissenschaftlich begründet zu etablieren. Aus diesem Auftrag sind die Praxisleitlinie „Durchbruchschmerz“ und die „Tumorschmerzleitlinie“ entstanden. Im Unterschied zur bisherigen Vorgehensweisen berücksichtigt die Tumorschmerzleitlinie von vornerein nicht nur die Studienlage, sprich die wissenschaftliche Evidenz, sondern auch die Haltungen und Meinungen der Patienten, jedoch auch die Erfahrungen der Ärzte, die konkret die Patienten versorgen. Mit anderen Worten: Eine solche Praxisleitlinie ruht auf drei Säulen:

  1. Die wissenschaftliche Studienlage

  2. Die Umsetzbarkeit in die Praxis

  3. Die Erfahrung der Betroffenen

Eine solche Leitlinie versteht sich nicht mehr als ein abgeschlossenes Endprodukt, sondern als eine Dauerbaustelle, an der transparent alle diejenigen, die in der Versorgung von Patienten mit Tumorschmerzen beteiligt sind, teilhaben können, ja auch die Aussagen beeinflussen können. Damit wird der Tumorschmerz nicht mehr paternal allein durch die „Ärzteschaft“ organisiert.

 

Für die IGSL erscheint mir wichtig, an dieser Entwicklung teilzuhaben. Jedes Mitglied der Gesellschaft kann unter http://dgs-praxisleitlinien.de/ auf die Leitlinienseiten kommen, und über einen einfachen Zugangscode, der auf Anfrage sofort über die Zugangsseite mitgeteilt wird, in die Leitlinie hineinschauen, und die Aussagen, die dort bereits erarbeitet sind bereits bewerten, bzw. auch per e-Mail neue Aussagen vorschlagen.

 

Vor zwei Jahren wurde die Praxisleitlinie „Tumorschmerz“ dem Lebenswerk von Herrn Dr. Paul Becker gewidmet, der als Pioneer der Palliativmedizin, aber auch der Pharmakotherapie von Tumorschmerz über die IGSL Hospiz hinaus bekannt ist.

Herr Dr. Becker konnte diese Widmung in einer Feierstunde auf dem Frankfurter Schmerztag von zwei Jahren entgegen nehmen.

Das Leitlinienwerk ist inzwischen inhaltlich abgeschlossen. Die darin enthaltenen Aussagen sind für die Versorgung außerordentlich wichtig und versuchen, die Qualität der Versorgung voran zu bringen. Daher sind einzelne Aussagen durchaus mit bisherigen Vorgehensweisen nicht Deckungsgleich. Mit anderen Worten: Die Versorgung wird sich sehr deutlich verändern, hoffentlich verbessern.

Es darf betont sein, dass die Erstellung der Praxisleitlinie „Tumorschmerz“ rein ehrenamtlich erfolgt ist, so dass eine Einflussnahme von interessierter dritter Seite (Pharmaindustrie, Einflüsse der Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen, etc.) ausgeschlossen werden können.

Die 7 Leitlinienautoren sind erfahrene Ärzte in der Behandlung von Tumorschmerz. Ihr Anliegen war, von sog. Standards in der Therapie weg zu kommen. Vielmehr sollte die Behandlung deutlich individueller möglich sein, dies eher im Sinne der Therapiefreiheit (!) im Rahmen einer Leitlinie als beispielsweise durch eine Begrenzung der Therapie durch Leitlinienaussagen.

Im Gegensatz zu bisherigen Leitlinien ist die Tumorschmerzleitlinie völlig anders aufgebaut: Sie enthält keineswegs nur pharmakologische Vorschläge, dies war der nahezu alleinige Inhalt vieler bisheriger Produkte. Vielmehr ist allen Kapiteln vorangestellt ein Aussagekatalog zur Patientenautonomie. Die Behandlung von Tumorschmerzen muss sich zu allererst um das Wohl der Patienten bemühen, nicht um die Therapiesicherheit der Behandler. Weitere speziellere Aussagen betreffen alternative Therapien, die besonderen Bedingungen des Alters, Angst und Depression, und nicht zu vergessen: Ein eigenes Kapitel zur Schmerzdiagnostik. Denn der alte Begriff „Schmerztherapie“ ist inzwischen überholt: Es geht nicht um eine Therapie der Schmerzen, ohne dass im Vorfeld eine Diagnose der Schmerzen erfolgt. Diese Diagnose muss die Therapie auf die eigentliche Ursache von Tumorschmerzen zurückführen. Ein solches Konzept bedarf dringend der Umsetzung in unserem Land. Die ersten Reaktionen auf diese Arbeit, auch in der Ärzteschaft, zeigen, wie notwendig dieses Produkt war.

Nochmals seien alle IGSL-Mitglieder dringlich aufgefordert, an diesem Projekt teilzunehmen, denn es liegt in unserem Selbstverständnis, dass nicht nur Hospizarbeit im biopsychosozialen Sinne von unseren begleiteten Menschen benötigt wird, sondern es existiert ein basales körperliches Bedürfnis, Schmerzen zu kontrollieren, um nicht Bedingungen ausgeliefert zu sein, die mit der Menschenwürde nicht vereinbar sind.

Aus dem herbstlichen Kevelaer grüße ich Sie in alter Verbundenheit,

Dr. J. Horlemann

Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.

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